Geschichte der revolutionären Pariser Kommune in den Jahren 1789 bis 1794

La DE

Volke ſchuld gegeben, daß es die königliche Bibliothek habe verbrennen wollen. Die National-Garde war jeht uniformirt und fand ſi<, da ſie aus faſt lauter Bourgeois beſtand, bei Volksunruhen meiſt bereit, gegen dieſelben einzuſchreiten.

Zu dieſen Unruhen trug beſonders die Hungersnoth bei und an ihnen betheiligten ſih vorzüglih die Arbeiter. - Lettere beſchäftigten ſich bereits lebhaft mit den Tagesfragen. So hatten z. B. die Schueidergehülfen einen ſtändigen Klub in der Colonnade, die Perrü>enmacher verſammelten ſih in den Elyſeiſhen Gefilden und die Bedienten tagten im Louvre. Namentlich traten aber au< ſchon die Frauen in der Revolution auf, was das ſicherſte Zeihen war, daß dieſelbe alle Schichten der Geſellſchaft ergriffen hatte. Schon im Mai bei den Wahlen der Generalſtände waren zwei Deputationen Arbeiterinnen in der Wahlverſammlung des dritten Standes erſchienen. Die eine kam im Namen der Fiſchhändlerinnen, die andere im Namen der Obſt- und OrangenHändlerinnen und der ſonſtigen Damen dex Halle, um den Deputirten die Sorge für das Wohl des Pariſer Volks anzuempfehlen. Selbſt in der Ariſtokratie gab es Damen , die dur< die Lektüre von Rouſſeau's „Emil“ revolutionäre Geſinnungen angenommen hatten. Auch am Sturme der Baſtille hatten die Frauen hervorragenden Antheil genommen : ja, eine Frau, Madame Legros, war es geweſen, die mit ihren Händen den erſten Stein aus der Feſtung herausgeriſſen hatte.

Eine Hauptſührerin der Frauen war Theroigue de Mericourt aus Marcourt im Luxemburgiſchen. Selbige wird uns als ſo züchtig geſchildert, daß es heißt, ſie ſei ſhon erröthet, wenn nur eine ganz entfernt zweideutige Bemerkung gemacht worden ſei. Sie bezog 12,000 Francs jährliche Einkünfte, beſaß eine Bibliothek von dreitauſend Bänden und war troy threr aufgeworfenen Naſe von großer Schönheit. Dieſe von den reaktionären Geſchichtſchreibern verläſterte Dame, die in der Folge wegen ihres Abfalls von der revolutionären Sache dur<h Frauenhand ſo arg gezüchtigt wurde, daß ihr Geiſt bis zu ihrem Tode im Jahre 1817 umnachtet blieb, war maleriſh gekleidet, ſie trug in den Tagen des Auſfſtandes einen Federbuſh und führte Piſtolen im Gürtel.

Unter den Frauen gab es eine Partei, welche die Gleichſtellung mit den Männern forderte. Jun der Schriſt: „Geſuch der Frauen um Zulaſſung zu den Generalſtänden“, kommen die Stellen vor: „Wir würden nicht fertig werden, wollten wir alle Anſtellungen, für welche wir uns eignen, und von denen uns die Männer aus Eiferſucht ſtets ausgeſhloſſen haben, hier aufzählen. Die Frauen ſind, wie ihr wißt, die erſten Urheber der Geſellſchaft ; ſie ſind es, die eu< den Reiz der Vertwandtſchaftsbande gelehrt, euh die Macht der Liebe offenbart haben. Jhr lebtet vorher iſolirt in den Wäldern als Feinde von einander, ihr wart aufs Geradewohl auf die Erde geworfene, thönerne Bildſäulen ; da famen wir und belebten eu<. Was iſ der Lohn für ſo viele Wohlthaten geweſen ? Der ſ{<hwärzeſte Undank!“ — Fn der Schrift: „Vorſtellungen, Klagen und Beſchwerden der franzöſiſhen Damen, von M. L, P. P, D, St. L.“, heißt es drohend: „Nehmt eu< in Acht, ihr Herren, daß wir nicht den Vorrang fordern, vielleiht wären wix hierzu