Brehms Tierleben eallgemeine Kunde des Tierreichs : mit 1800 Abbildungen im Text, 9 Karten und 180 Tafein in Farbendruck und Holzschnitt 3

792 Zweite Drdnung: Schwanzlurche; dritte Familie: Olme.

Jahre aus, ohne daß man eigentlich begreift, wovon ſie leben. An ihren Wohnorten hat man allerdings mehrere kleine, den Höhlen eigentümliche Tierchen entde>t, die ihnen zur Nahrung dienen könnten, bei einzelnen au< beobachtet, daß ſie die Schalen kleiner Muſcheln ausbrachen, hinſihtli<h der Art und Weiſe ihrer Ernährung in der Freiheit aber durchaus noh niht die erwünſ<hte Kunde erlangt.

îan hat jahrelang Dugende von Olmen in einem Gefäße zuſammengehalten, ſie au< miteinander ſpielen ſehen, niemals aber eine Begattung wahrgenommen; wohl aber hat der Obergrottenführer Preleßnig 1875 zuerſt entde>t daß die Tiere Eier legen. Es blieb unentſchieden, ob nur einer oder die beiden von ihm gehaltenen Olme die Zahl von 58 Eiern, die er fand, gelegt hatten. Auch Fräulein M. von Chauvin beobachtete 1882 einen weiblichen Olm, wie ex ſeine Eier an die Dee der Aquariumgrotte anheftete. Das kugelige Ei hat 11 mm im Durchmeſſer; eine innerhalb der gallertartigen Schichte befindliche 6 mm im Durchmeſſer haltende Hülle {ließt das gelblihweiße, 4 mm große Dotter ein. Die beiden das Dotter umgebenden Schichten ſind farblos und dur<hſihtig. Männchen und Weibchen ſind für gewöhnlih äußerlich niht voneinander zu unterſcheiden; erſt zur Brunſtgeit ſ{willt die Kloakengegend des Männchens bedeutend an, beim Weibchen macht ſi eine ſtärkere Körperfülle hauptſächlih in ſenkre<ter Richtung geltend. Bei beiden Geſchlechtern bilden ſi< <hmale, gekräuſelte Hautſäume an der Schwanzfloſſe, und es zeigt ſich auch lebhaftere Körperfärbung. Eine Befruchtung innerhalb des mütterlichen Körpers iſt als nahezu ſicher anzunehmen, konnte bis jegt aber niht unmittelbar nachgewieſen werden. Das Ablegen der Cier geſchieht bei Nacht; jedes Ei wird einzeln angellebt.

Endlich wurde im Jahre 1888 die Larve des Olmes zum erſtenmal von E. Zeller beſchrieben. Seine gefangenen Olme hatten vom 14.— 16. April 76 Eier gelegt. Nach 90 Tagen ſ<lüpften zwei Larven aus, die, in der Entwickelung weiter als andere Schwanzlurhlarven vorgeſchritten, anfangs 22 mm in der Länge maßen, wovon nur 5 mm auf den Schwanz kamen. Fhre Geſtalt iſt der des erwachſenen Olmes ſchon ſehr ähnli, doch erſtre>t ſich der Floſſenſaum über drei Viertel der Rückenlänge na<h vorn, und ihr Auge iſt weit deutlicher ſihtbar und verhältnismäßig größer als das des erwachſenen Olmes. Die Kiemenbüſchel ſind nicht mehr entwi>elt als beim erwachſenen Tiere. Die Vordergliedmaßen haben ſhon 3 Zehen, die hinteren ſind noh ſtummelförmig. Die Olme, an denen Zeller ſeine Beobachtungen machte, hielt er im Freien unter Schußvorrichtungen, die die Waſſerwärme höchſten von 5— 18 Grad Celſius ſhwanken ließen.

Will man den Olm in der Gefangenſchaft belauſchen, ſo muß man ihm überhaupt das Leben ſo angenehm wie möglih machen. Auch Fräulein M. von Chauvin und Zeller verdanken ihre Erfolge einzig und allein dieſer ſorgenden Thätigkeit. Gleichmäßige Waſſerwärme von 9—11 Grad Celſius, vollkommener Abſchluß des Lichtes, Schuß vor Erſchütterungen, reines, mäßig luftreiches Waſſer und zwe>mäßige Fütterung mit Regenwürmern und Froſchlarven ſind die erſten Bedingungen für ein gutes Gedeihen der Gefangenen.

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Jn den öſtlihen Vereinigten Staaten Nordamerikas und in Kanada lebt ein naher Verwandter des Olmes, der Furhenmolh (Necturus maculatus, maculogus und lateralis, Menobranchus lateralis, tetradactylus, sayi und lacepedei, Triton lateralis, Phanerobranchus tetradactylus und lacepedei, Proteus maculatus), ein Tier von mäßiger Größe und verhältnismäßig kräftigem Leibesbau, mit vier Beinen, deren Füße ſämtlich vier Zehen haben, eiförmigem, vorn zugeſpißtem, hinten zugerundetem Kopfe, deutlich abgeſeßtem Halſe und molchähnlihem Leibe. Seine Oberſeite iſt braun, die Unterſeite <mußig weiß gefärbt; den Rüden zieren undeutlichere, den Bauch deutlichere ſhwärzliche