Poimandres : Studien zur griechisch-ägyptischen und frühchristlichen Literatur

36 II. Analyse des Poimandres.

Hermetische Literatur und verlangt, daß die Urform des Poimandres vor den Beginn des zweiten Jahrhunderts n. Chr. fällt. Wie weit sie darüber hinaufreicht, ist noch nicht zu sagen; aber nach christlichen Gedanken in dieser Schrift zu suchen ist von vornherein aussichtslos.

I.

Ist die oben entwickelte Ansicht von dem Verhältnis des Poimandres zu dem Hirten des Hermas richtie, so muß die heidnische

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Schrift auch in ihrem Hauptteil Spuren der Überarbeitung zeigen. Ich muß daher versuchen, durch eine Analyse das theologische System in ihr klarzustellen. Den im Anhang gegebenen Text setze ich voraus.

Der Prophet schaut die Weltschöpfung; er sieht als der Noüc sich in sein göttliches Wesen zurückverwandelt, zunächst eine unendliche Fülle von Licht!) Danach senkt sich, ohne daß wir erfahren woher, Finsternis nieder®), und in ihr bildet sich ein feuchter Urstoff (pbcıc Tıc Öypd); Rauch steigt von ihm auf und ein wunderlicher, unaussprechlicher Schall, der zum unartikulierten Rufe wird. Aus dem Lichte aber erschallt ein üyıoc Aöyoc®), der zu dem Ur-

1) Vgl. Gebet V 3: co0 yäp pavevroc.... gpWc &pavn. Daß diesem Lichte keinerlei göttliches Wesen vorausliegen kann, ist damit nicht gesagt, wenn der Leser es auch zunächst annehmen muß. Als mAnpwua pwröc stellt sich die Welt übrigens auch in der seligen Schau XI (XI) 6 dem Propheten dar: Heacan de DL” EUOD TOV KÖCHOV ÜTOKEIUEVOV TM CH Öwyeı TÖ TE xükoc auroü ÜKpIBWC KATAVöNCovV, CWUG Ev Akripatov Kal oU TaAuıöTEpDV oVdev Ecrat i) MÄAAovV ÜKUAIöTEPOV, Ölü TIAVTÖC dE Akudiov Kai veov (Kai uAAAov dkudıötepov nach veov AUM). ide Kal TOUC ÜTMOKEIUEVOUC EMTÜ KÖCHOUVC KEKOCUNUEVOUC TÜEEL alwviw Kci Cpduw dLapopw TOV alWva AvamAnpoüvrac, PWTöc de mavra mÄNpN, mÜüp de oVdauoü‘ 7) yäp PıAla Kai 1) cbykpacıc TWv Evavriwv Kal TWyv dvouoiwv PWC Yeyove KataAaumöuevov Umd TC To Beo0 Evepyelac. Auch hier bildet das Feuer den Gegensatz zu dem Licht.

2) Nur daß das Licht vor der Finsternis „erschienen“ ist, wird später ausdrücklich betont. Der Dualismus von Gott und Materie bleibt, wie in vielen Theosophien der Zeit, unerklürt.

3) Dieser Zusammenhang ist allerdings erst durch Konjektur gewonnen, aber durch eine, wie ich meine, unbedingt nötige Konjektur. Die Überlieferung kal Karvov dmodldoücav WC ATO TUPÖC Kal Tıva Tixov AmoteAoücav AverÄdAnTov yobön. eita Bor) EE aurnc Acuvapdpwc EEemeumeto WC EIKdCALPWYNV PWröc,